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Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen



~*~

Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,
die sich über die Dinge ziehn.
Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,
aber versuchen will ich ihn.
Ich kreise um Gott, um den uralten Turm,
und ich kreise jahrtausende lang;
und ich weiss noch nicht:
bin ich ein Falke, ein Sturm
oder ein grosser Gesang.


Rainer Maria Rilke

2 Kommentare 10.11.06 00:46, kommentieren

Der Tag hat noch Schlaf auf den Wangen

Morgenspalt lugt
in die müde Nacht

katrrr
klopft ein Specht
und alle Bäume spucken
ein leises Echo aus feuchtem Holz
eine Flut von Sängern
schwirrt mit süßen Kehlen
über Blatt und frühes Blühen

Sonnennebel
frisch ausgeschüttet
hängt zwischen Zweigen
taucht schwarzes Moos in Gold

ich atme frühes Licht

und meine Schritte zeichnen
die ersten Spuren
in einen hoffnungsfrohen Tag

C.by MaraKrovecs 


 

10.11.06 01:06, kommentieren

Aquarell

*~*

Lichtrund
trifft der Tag auf die Nacht
die Nacht auf den Tag
wie aus Schalen fließen
Himmel ineinander
Geburt der Wolken
Lied der Sterne
und die Sonne
strömt wie Wasser in das Licht
glüht wie rote Farbe
in blaue Dunkelheiten

*~*

alles Leben flüstert
alles Lieben findet
Erfüllung
alle Hoffnung schmiegt sich
in mein staunendes Schweigen
wenn das Leben seine Feier
aus allen Augenblicken wirken kann

*~*

dunkelschwingend
trifft meine Traurigkeit das Glück
das Glück die Traurigkeit
Sonnenstrahlen funkeln
auf die Regentropfen meiner Seele
Lied der Trauer
Geburt des Regenbogens
strömt wie bunte Farben in mein Herz
glüht heiße Wellen
in mein ausgekühltes Leben

*~*

alles Leben wispert
alles Lieben findet
einen Weg
alle Hoffnungen atmen lauter
in mein stummes Schreien
denn das Leben soll Feier sein
immer wieder
immer wieder.

*~*

C.by Mara Krovecs

10.11.06 01:13, kommentieren

Aus klirrend kalten Tagen

Flieg nun fort - du lieber Morgen
aus deinen Taschen rieselten Schneenüsse
von deinen Lippen Frostkristallgüsse
in den Gärten schlummerten
verhangene Fenster
Schornsteine glänzten wie Rubine ins Mondblau
aus Schnee prangte Feuerdorn
wie ein Schrei
aus schwarzkrächzenden Krummschnäbeln
und in die Himmel wallte und wallte silbergrauer Rauch

flieg nun fort - du lieber Mittag
aus deinen Schuhen tropfte ein Knirschen
hinter Fensterglas fliehende Möwen
auf den Straßen dampften Autos
wälzten sich wie brummende Käfer
in Puderzucker
das Läuten von Schulglocken
hallte weit über die Stadt
und seinen Brief in der Tasche lief ich und lief

flieg nun fort - du lieber Abend
das Schlimmste ist doch wahr geworden
Dunkelbrokatdecken verhüllten den weißen Norden
aus des Liebsten Händen schlängelte sich
das geschriebene Wort
wie Bisse aus einer hechelnden Seele
und meine Herzschläge jagten und jagten
mir sein Adieu aus tintenblassen Lippen

flieg nun fort - du liebe Nacht
nimm mich in deine pulsierenden Adern
wie schwarzer Lack glänzt der Himmel
zwischen Sternen warten vergessene Welten
flieg nur - du weise Schmerzensmutter Nacht
bring mich zu meinen Engeln
deren Schaukeln leer im Wind schweben

ich seh ` noch ihr Lächeln für mich
einst – aus sonnenwarmen Tagen

C.by Mara Krovecs 


 

10.11.06 01:18, kommentieren

Warten auf dich

                  

     

ich treibe in deinem kommen

                 *
 kein himmel gleicht dem anderen
während ich all deine gesichter zähle
sekunden wachsen wie bäume
und riesige wälder streifen die stürme
hinter meiner brust

                  *

das meer ist mein zeuge
die vögel und die fische
wenn unsere liebe sich berührt
kann ich das gold in den augen
des abends sehen und süße milch
in den armen des morgens schmecken

                    *                                      


aus deinem atem taumeln tänzer
die in mich fliegen
und mit meiner seele singen
wohin kann ich noch sinken
als in tiefste schluchten
in denen wildes moos
sich um die unerklärlichkeit
meines fühlens schmiegt
wohin noch fliegen als in höchste sonnen
aus denen zeit so leise fällt wie schnee

                      *

nie zuvor hörte ich mein herz
vor glück weinen

                       *

so laut wie liebe

C.by Marakrovecs

10.11.06 02:12, kommentieren

Erdrauch

~~~


verborgenes
Blühen
im Schatten
einer Stockrose

Erdrauch

filigran die Blätter
wie gezeichnete
uralte Geheimschrift
und die Blüten
purpur
wie Abendsonnen
unendlich viele
nur klein
und auf den ersten Blick
nicht gleich zu sehen

so ist meine Liebe zu dir
unwichtig
ob du sie bemerkst oder nicht

sie ist
~*~
einfach da.

C.by Mara Krovecs

12.11.06 01:25, kommentieren